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Die Siebziger
Ariola hat es geschafft. Man ist „wer“ und ist in der Branche bekannt. Nun gilt es, die internationalen Märkte zu erobern. Gleich zu Beginn des Jahrzehnts sichert ein Lizenz-Vertrag mit dem Label„A&M“ den Zufluß amerikanischen Repertoires von Stars wie Carole King, Burt Bacharach, den Carpenters oder Herb Alpert. Ein Jahr später, 1971, folgt das renommierte englische „Island“- Label. Hier ist die Spitze der zeitgenössischen Rockmusik zu Hause: Emerson, Lake & Palmer, Jethro Tull, Roxy Music oder der Singer/Songwriter Cat Stevens. Von nun an geht es Schlag auf Schlag: „Bronze Records“, u.a. mit Uriah Heep und Manfred Mann’s Earth Band kommt hinzu. Ebenso die Company „ABC“ mit Acts wie Steely Dan, Tom Petty oder The Crusaders und dem reichhaltigen Backkatalog von Bing Crosby über die Andrews Sisters bis zu The Mamas & the Papas. Ohne die USA ist eine entscheidende Rolle im internationalen Musikmarkt nicht möglich, das wissen auch die Verantwortlichen bei Bertelsmann und der Ariola. 1979 erwirbt Bertelsmann die amerikanische Plattenfirma Arista von Columbia Pictures und damit eines der führenden Label im US-Musikmarkt. Ein Glücksfall, denn mit Arista kommen Acts mit weltweiten Erfolgen zu Ariola: Aretha Franklin, Barry Manilow oder Patti Smith sind in den Siebzigern die Stars der amerikanischen Musikszene. Zusätzlich zur Akquisition internationaler Labels setzt Ariola einen Schwerpunkt auf die Gründung
von Tochter-Gesellschaften im Ausland: 1970 Ariola Benelux und Ariola Spanien, 1973 Arabella Frankreich, später umbenannt in Ariola Frankreich, 1975 Ariola America in Los Angeles und 1977 Ariola Mexiko, Ariola Schweiz und Ariola UK. Im selben Jahr werden in der Bertelsmann AG die Bereiche Musik, Fernsehen und Film in einem eigenen Bereich zusammengeführt. Auch die UFAMusikverlage, eine der größten Verlagsgruppen im deutschsprachigen Raum, werden in diesen Bereich eingegliedert. Hier sind u.a. so erfolgreiche Komponisten wie Robert Stolz, Peter Kreuder, Michael Jary oder Theo Mackeben unter Vertrag. Neben dem Aufbau des internationalen Repertoires wird in München natürlich weiterhin der heimische Künstlerstamm gepflegt und erweitert. Neben Udo Jürgens, Mireille Mathieu und Bernd Clüver gehören auch Michael Holm, Tony Marshall und Juliane Werding zu den erfolgreichsten Künstlern des Landes und
machen Ariola zur Nummer Eins im heimischen Singlemarkt. 1973 beginnt die Zusammenarbeit mit einem weiteren wichtigen deutschen Label: Jupiter Records, das besonders in den Folgejahren erfolgreiche Ergebnisse bringen wird. Im Zuge der internationalen Discowelle fängt 1977 eine neue Gruppe an, die Hitparaden weltweit zu erobern: Boney M., ein Signing der Hansa Musikproduktion. Kreiert und produziert von Frank Farian, wird mit Boney M. ein neuer Stil geboren: Euro-Disco. Platin und Gold erntet die Supergruppe für fast jede Single und jedes Album. Bis heute wurden rund 97 Millionen Tonträger von Boney M. verkauft. Bei der Ariola in München startet in dieser Dekade ein weiteres Projekt seinen Siegeszug: der fernseh- und funkbeworbene Tonträger. Dabei handelt es sich meist
um zusammengestellte Hit- bzw. Konzeptkopplungen wie „Super 20“ oder „Stars singen ihre schönsten Weihnachtslieder“. Mit dem längst zum Kult gewordenen Spruch „Ja, die von Ariola“ kündigt der Vogel Willi die Schallplatten und MusiCassetten im Rundfunk an. Rudi Carrell ist der erste Präsentator der „Super 20“-Serie, die zum ersten Markenzeichen im Compilation-Sektor wird und fast zwei Jahrzehnte den Markt anführt. Auch TV/Funk-beworben: „Buenos Dias Argentina“, das Album zur Fußball-WM 1978, aufgenommen von der deutschen Fußballnational-Mannschaft gemeinsam mit Udo Jürgens. Die LP wird im gleichen Jahr noch mit Platin ausgezeichnet.Trotz des beständigen Erfolgs des deutschsprachigen Schlagers nimmt das internationale Repertoire im Laufe der siebziger Jahre einen immer größer werdenden Stellenwert bei Ariola ein. Die Labelvielfalt bei Ariola und der Erfolg der medienbeworbenen Hit-Kopplungen verpassen der Münchner Plattenfirma den Ruf einer Vertriebs- und Verwertungscompany mit Marketing-Know How und einer ausgeklügelten Distributionslogistik. Zudem ist der Name Ariola untrennbar mit deutschem Schlager verbunden. Laut einer Umfrage des Institutes für Werbe-Psychologie und Markt- Erkundung von 1979 ist Ariola die bekannteste der in Deutschland operierenden Schallplattenfirmen.
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