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Die Fünfziger
„Zum guten Buch gehört der schöne Klang“ - unter dieser Devise wird 1956 der Bertelsmann Schallplattenring gegründet. Bereits 1955, als die zerbrechliche Schellackplatte durch die strapazierfähigere Vinylplatte abgelöst wird, denkt Reinhard Mohn an ein Schallplattenangebot im Lesering als Ergänzung zu dem großen Erfolg mit Büchern. Im Nachkriegs-Deutschland war der Wunsch nach Unterhaltung und Ablenkung verständlicherweise groß. Das Wirtschaftswunder kam langsam in Gang, und auch in Gütersloh bei Bertelsmann dachte Reinhard Mohn über neue Geschäftsideen und Absatzmärkte nach. Mit der Gründung des„Bertelsmann Leserings“, heute als „Bertelsmann Buch Club“ bekannt, wurde 1950 eine wahrhafte Königsidee realisiert. Per Abonnement kamen die neuesten Bücher zu günstigen Preisen regelmäßig in jeden leseinteressierten Haushalt.
Die Mitgliederzahl von 100.000 verzehnfachte sich in nur vier Jahren und so konnte 1954 das millionste Lesering-Mitglied begrüßt werden. Heute ist der„Bertelsmann Buch Club“ mit über 25 Millionen Mitgliedern in 20 Ländern der Welt vertreten und globaler Marktführer in diesem Bereich. Um eine Schallplatte im Lesering vertreiben zu können, bedurfte es der Lizenz des Repertoire- Eigners, also der Musikfirma.
Doch schon beim ersten Anklopfen wird deutlich, daß die marktbeherrschenden Firmen nicht so einfach bereit waren, Lizenzen ihres kostbaren Repertoires an den Neuling abzugeben. Ähnlich sah es bei den Preßwerken für Schallplatten aus, die vertraglich an die Musikfirmen gebunden waren. Diese Anfangs-schwierigkeiten schüchterten die Gütersloher jedoch nicht ein, sondern waren vielmehr der Grund zu sagen: „Dann machen wir es selbst!“, und zwar ab 1957 mit der Schallplattenfabrik Sonopress. Das in Gütersloh ansässige Tonträger- Produktionsunternehmen Sonopress ist heute einer der Marktführer mit Niederlassungen auf der ganzen Welt. Allein in Gütersloh fertigen Sonopress und ihre angeschlossenen Tochterunternehmen täglich etwa 1,4 Millionen CD’s - und das nicht nur für Ariola.
„Die Stunde Null“ für die Ariola kommt 1958. In diesem Jahr wird die deutsche Schallplattenfirma gegründet. Ende des Jahres kommt eine Ariola-Gesellschaft in Österreich hinzu. Von allen Bertelsmann-Neugründungen hat es die Ariola am schwersten, sich durchzusetzen: Es fehlt nicht nur an Interpreten, die das Programm attraktiv gemacht hätten, sondern auch an tragfähigen Verbindungen zum Fachhandel und einem funktionierenden Vertrieb. So reisen zu Beginn ganze sechs Ariola-Vertreter mit 72 Titeln im Gepäck durch die Lande. Die Branche gibt dem Neuling kaum eine Chance, denn der Markt ist dicht besetzt.
Aber gerade dieses feste Gefüge erweist sich als großer Ansporn für die kleine motivierte Mannschaft, die mit kreativen und unkonventionellen Ideen ins Rennen
geht. Die erste Veröffentlichung auf dem Ariola-Label ist Josephine Baker’s „Die Regenbogenkinder“. Und schon bald kann die junge Plattenfirma mit den ersten Hitparadenplazierungen aufwarten: Dalida’s „Am Tag als der Regen kam“ belegt 1959 sieben Wochen lang die Nummer Eins. Stimmungslieder wie Willy Millowitsch’s „Schnaps, das war sein letztes Wort“ und das Duo Jan & Kjeld plazieren sich ganz oben in den deutschen Charts und erzielen mit „Banjo Boy“ einen sensationellen Erfolg mit 1,3 Millionen verkaufter Exemplare.Aufgrund der ersten Erfolge wird der Außendienst der Ariola schon bald auf zwanzig Mann erweitert, Geschäftsstellen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Stuttgart gegründet. Bei Bertelsmann ist man zu Beginn noch davon überzeugt, daß die Schallplatte als Medium dem Buch gleichwertig ist. So entstehen anspruchsvolle Produktionen aus der Verbindung zwischen der Vinylplatte und dem gedruckten Wort. Auf dem „Athena“-Label erscheinen Werke wie Goethes „Faust”, gesprochen von u.a. Will Quadflieg oder Lessings „Minna von Barnhelm“ mit Liselotte Pulver und Charles Regnier, neben Aufnahmen von Thomas Mann und Martin Buber, die aus eigenen Werken lesen.
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